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Wegen Regeltreue bestraft

Wegen Regeltreue bestraft

30.12.2021

Krankenschwester Kristin Zuber wurde strafversetzt, weil sie sich an die amtlichen Empfehlungen für Pausen beim Tragen von FFP2-Masken halten will.

Seit etlichen Jahren versieht Kristin Zuber ihren Dienst auf der dortigen Intensivstation, korrekt, engagiert und allseits geschätzt. Korrekt wollte sie auch beim Umgang mit den FFP2-Masken sein, die die Beschäftigten dort zu ihrem eigenen Schutz und dem der Patienten in der Corona-Pandemie tragen. Sie bestand deshalb auf Einhaltung der amtlicherseits angeratenen Masken-Pausen - damit das Personal die Arbeit unter der Maske bis zum Schichtende auch durchhält. 75 Minuten Arbeiten unter Maskenschutz, dann 30 Minuten Maskenpause: So lautet die vom Robert-Koch-Institut unterstützte Empfehlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Wobei Maskenpause nicht heißt: Beine hoch und Kaffeetrinken. Sondern Verrichtung einer Arbeit, bei der Maskenpflicht nicht besteht, weil sich riskanter Kontakt mit Kollegen oder Patienten vermeiden lässt.

So weit, so klar. Nicht aber für die Leitung im Prosper-Hospital. Statt sich mit den Mitarbeitern zu beraten, wie die Maskenpausen sinnvoll umgesetzt und insbesondere in die Dienstpläne integriert werden können, hat sie Kristin Zuber im November 2020 von der Intensivstation auf Normalstation versetzt. Strafversetzt, wie Kristin Zuber annehmen muss. Im Kammertermin beim Arbeitsgericht in Herne hatte der Arbeitgebervertreter behauptet, eine hausinterne Regelung für die Tragepausen vorweisen zu können, die jedoch in der Praxis gar nicht umgesetzt wird.

Doppelter Skandal

Marion Schäfer, Gewerkschaftssekretärin beim ver.di-Bezirk Mittleres Ruhrgebiet, kann da nur von einem doppelten Skandal sprechen. Wegen einer eklatanten Missachtung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, aber auch, „weil es absurd ist, eine auf Intensiv eingearbeitete Krankenschwester nicht dort einzusetzen, obwohl doch gerade in der Pandemie diese Fachkräfte gesucht werden.“ Kristin Zuber hatte gegen diese Versetzung geklagt.

Im Februar 2021 fand vor dem Arbeitsgericht in Herne der Kammertermin statt. In diesem entschied das Gericht, dass die Versetzung im Sinne des Gesundheitsschutzes der Kollegin richtig gewesen sei. Das Gericht ging nicht weiter darauf ein, dass die Versetzung eine Strafversetzung war, weil die Kollegin dem Arbeitgeber die Inanspruchnahme gewerkschaftlicher Unterstützung angekündigt hatte. Am 06. Januar wird nun ihr Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht in Hamm verhandelt.

Weiter kann Kristin auf die solidarische Unterstützung ihrer Gewerkschaft ver.di setzen, denn auch den Weg nach Hamm nehmen KollegInnen aus dem Gesundheitswesen auf sich, um Kristin vor dem Gericht zu unterstützen. Eine kleine Solidargemeinschaft trifft sich ab 09:30 Uhr vor dem LAG in Hamm.

Pressekontakt

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